Geschichte im Essener Norden

 

Stolpersteine in Altenessen.

 

Die Stolpersteine erinnern an Mitbürger, die wegen ihrer Religionszugehörigkeit und Abstammung, ihrer politischen Überzeugung oder ihrer Lebensweise von den Nationalsozialisten verfolgt wurden und umgebracht worden sind.
Der Kölner Künstler Günter Demnig hat 1992 mit dem Projekt „Stolpersteine“ begonnen als Erinnerung zum 50. Jahrestag der Deportation von 1000  Sinti und Roma aus dem Messelager in Köln. Daraus ist in den 1995-er Jahren eine deutschlandweite Aktion entstanden. Heute werden diese Stolpersteine in vielen europäischen Ländern verlegt. In Deutschland waren es bis Ende 2016 ca. 53 000 Steine.
Die Steine sind an der Oberseite mit einer Messingtafel überzogen, in die Namen und Daten von Hand eingeschlagen sind. Sie werden an Orte im Boden verlegt, wo die letzte bekannte Wohnung der Verfolgten war. Die Vorschläge zum Verlegen der Stolpersteine kommen oft von überlebenden Verwandten, von Paten mit persönlichen Anliegen, von Politikern oder Ortsparlamenten. Jeder Vorschlag wird eingehend geprüft.
In Altenessen sind an sieben Orten für 11 Mitbürger Stolpersteine verlegt worden.


Karl Hoffmann, Heßlerstraße 242
Der erste Stein in Altenessen ist am 15. 11. 2005 verlegt worden. 


Karl Hoffmann ist am 7. Januar 1903 geboren. Er gehörte der KPD–Organisation „Auf der Heide“ an. Es war die Gegend längs des Rhein-Herne-Kanals bis nach Gelsenkirchen. Hier wohnten viele Arbeiter, die sich wegen der hohen Arbeitslosigkeit der kommunistischen Partei anschlossen. Als deren Zentrum galt „die rote Heßlerstraße in Altenessen“.  Auf einem Grundstück an der Ecke Heßlerstraße – Emscherstraße hatten sich Arbeitslose aus nicht mehr gebrauchten Balken Holzhäuser gebaut für einen Treffpunkt. Kaplan Karl Klinkhammer von St. Johann besuchte sie und hörte sich ihre Probleme an. Seine Solidarität galt allen, auch den Kommunisten. An dieser Stelle steht heute die Katholische Kirche Herz Mariä.  Im Juni 1932 gab es in Essen 92 000 Arbeitslose. Zwischen den Nazis und den Kommunisten gab es immer wieder Zusammenstöße. Die „Roten“ waren bei den Nazis auf einer „Schwarzen Liste“. Nach der Machtergreifung 1933 wurden viele verfolgt und verhaftet.


Karl Hoffmann wurde Ende Januar 1934 verhaftet. Am 21.12.1934 wurde er wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt und in Münster inhaftiert. Dort ist er am 14.3.1935 zu Tode gekommen. Seiner Frau hatte man als Todesursache „Selbstmord durch Erhängen“ mitgeteilt. Die Leiche wurde zur Beerdigung freigegeben und im Sarg durch den Bestatter nach Altenessen zur Heßlerstraße überführt. Der Genosse Ernst Vollmer sagte später, als er den Toten gesehen hatte: „Der hat sich nicht aufgehängt, den haben die ungebracht“. Der Tote war am ganzen Körper grün und blau geschlagen!  //  Hoffmann war Schwiegersohn der ersten weiblichen Stadtverordneten von 1919, Frau Emma Leder aus der Emscherstraße, seine Frau Anna wohnte bis in die 90er Jahre auf der Heßlerstraße. Sie ist kurz vor ihrem 100. Geburtstag gestorben.
Die Beerdigung  auf dem Nordfriedhof war am 18. März nachmittags. Die „Heidebewohner“ hatten viele Kränze gestiftet – alle ohne Namen. Die „Mundpropaganda“ lief durch den ganzen Essener Norden, und so nahmen etwa 1000 Personen – Männer und Frauen –  an der Beerdigung teil. Überall standen Polizisten und überwachten die Trauerfeier am Grab. Jegliches Sprechen und Singen war untersagt.
Am 20. März sind 18 Altenessener – elf Männer und sieben Frauen – die an der Beerdigung teilgenommen hatten, verhaftet worden. Acht von ihnen wurden später wieder freigelassen, zehn kamen für längere Zeit in „Schutzhaft“ in das KZ Esterwegen. Die Begründung war: Die Beerdigung hätte den Charakter eines kommunistischen Demonstrationszugs gehabt.


Literatur und Quellen:

Ernst Schmidt,  Lichter in der Finsternis, Band 1 / Seite 77 / „Die Beerdigung Karl Hoffmanns, eine Demonstration gegen seine Mörder.“
Hans-Josef Steinberg, Widerstand und Verfolgung in Essen, 1933 – 1945, Seite 118
Bruno Kamann, Carl Klinkhammer, 1903 – 1997, Seite 51


Familie Löwenstein, Altenessener Straße 408 - 412
Die Steine wurden am 7.7.2006 verlegt.


Die Familie Löwenstein kam 1900 nach Altenessen. Philip Löwenstein und seine Frau Dina stammten aus Rhede am Niederrhein. Sie wohnten ab 1887 in Köln. Dort wurde 1887 der Sohn Bertold geboren. Philip Löwenstein war Handlungsreisender, das brachte einen häufigen Umzug mit sich.

Am 1.Februar 1907 kauften sie das Haus „Essen-Horster-Straße 408 – 412“, und eröffneten das Haushaltwarengeschäft „ Gebrüder Löwenstein“. Die Firma war sehr erfolgreich und hatte in Altenessen ein gutes Ansehen. Der Sohn Bertold war als Handlungsgehilfe tätig. 1923 heiratete er Martha Kaufmann. 1924 wurde die Tochter Ilse in Düsseldorf geboren. Ab 1927 wohnte die ganze Familie wieder auf der  Altenessener Straße  im Haus 412, das in der Zwischenzeit auf Amalie Löwenstein, einer Schwester von Bertold, übertragen worden ist. Unter der NS Herrschaft sind die Lebensumstände für Juden zunehmend schlechter geworden. 1936 beantragte Bertold Löwenstein einen Auslandspass, den er auch bekam. In der Pogromnacht vom 9. zum 10. November 1938 wurden Synagogen und jüdische Geschäfte geplündert und verbrannt.  Bertold Löwenstein wurde verhaftet und als Schutzhäftling in das KZ Dachau gebracht.  Auf Antrag seiner Frau ist er dann wieder freigekommen, um die „Arisierung“ der Häuser in Altenessen durchzuführen. Die Familie hatte ein Einreise-Visum für Kolumbien. Sie blieben jedoch in Deutschland und waren 1941 noch immer in Essen. Am 22. April 1942 wurden Bertold Löwenstein, seine Frau Martha und die Tochter Ilse in Güterwagen nach Düsseldorf und von dort mit der Eisenbahn nach Izbica / Polen deportiert. Dort fanden alle drei den Tod. Als Todestag ist der 8. Mai 1945 für viele durch die Nazis umgebrachten Juden festgelegt worden. Amalie „Sara“ Löwenstein wurde 1942 nach Theresienstadt und von dort nach Auschwitz transportiert. Dort verliert sich ihre Spur.
Es ist heute nicht mehr zu ermitteln, warum die Familie Löwenstein trotz eines Einreise-Visums nach Kolumbien Deutschland nicht verlassen hat.


Literatur und Quellen: 

Hans-Jürgen Schreiber „Die Familie Löwenstein aus Altenessen“. Veröffentlicht in  „Das Münster am Hellweg“ 43. Jahrgang 1990, Seiten 117 - 121


Geschwister Selma Steinberg und Henriette Kaufmann Altenessener Straße 434
Die Steine wurden am 7.7.2007 verlegt.


1902 gründeten die Schwestern Selma und Henriette Kaufmann auf der Essen-Horster-Straße 434 ein Manufakturengeschäft. Sie entstammten einer alten rheinischen Familie aus Schiefbahn.  Die Eltern starben früh, die acht Kinder  wurden bei verschiedenen Verwandten untergebracht. Selma und Henriette erhielten eine kaufmännische Ausbildung. Bei ihrer jahrelangen Tätigkeit als Kaufmännische  Angestellte hatten sie soviel Geld gespart, dass sie ein Geschäft am Karlsplatz eröffnen konnten. Mit ihrem guten Service erwarben sie sich schnell Anerkennung in Altenessen. Bei ihnen kaufte man gerne ein.
In Bochum lernte Selma den Getreidegroßhändler Steinberg kennen. Der Stammbaum der  Familie „Steinberg“ lässt sich bis in das frühe 17. Jahrhundert in die Gegend von Hannover zurückverfolgen.
1905 heirateten Selma Kaufmann und Alex Steinberg. Zwischen 1908 und 1911 kamen drei Kinder zur Welt. Die Familie wohnte mit der Schwester Henriette zusammen. Nachdem das Geschäft Kaufmann einige Jahre bestand, konnte man ein freies Grundstück  gegenüber an der Essen-Horster-Straße kaufen und ein Haus bauen. Die Kinder besuchten die höheren Schulen in Essen und begannen nach dem Abitur mit ihrem Studium. Nach der „Machtergreifung“ 1933 begann der Niedergang für die Jüdischen Geschäfte in Deutschland. Die Parole „Kauft nicht bei Juden“ hatte auch erhebliche Auswirkungen in Altenessen. Ein großer Teil der Altenessener hatte Angst vor den SA-Männern, so blieben viele Kunden weg! Von den wenigen Kunden, die noch kamen, konnte die Familie nicht mehr leben. So musste das Geschäft 1936 verkauft werden. Nach der Pogromnacht vom 9. auf den 10.11.1938 sind Angehörige der Familie in „Schutzhaft“ genommen worden. Den Kindern gelang es noch auszuwandern: Marianne Steinberg nach Amerika, Kurt Steinberg nach Palästina. Selma und Hermann Steinberg und Henriette Kaufmann mussten aus der Wohnung in Altenessen ausziehen. Sie wohnten an verschiedenen Orten in Essen und Köln. Die Kinder erreichten es noch, dass die Eltern 1941 ein Einreisevisum nach Kuba bekamen. Doch dazu kam es nicht mehr. Sie erhielten keine Ausreisegenehmigung mehr. Am 16.Juni 1942 sind sie aus einem Sammellager in Köln - Müngersdorf nach Theresienstadt deportiert worden.  Nach dem 19. September 1942 haben die Kinder nichts mehr von ihnen gehört.


Literatur und Quellen: 

Hans-Jürgen Schreiber „Die Familie Steinberg /Kaufmann“.  Veröffentlicht in  „Das Münster am Hellweg“ 46. Jahrgang 1993, Seiten 76 – 90

Peter Balnus, Vogelheimer Straße 50
Der Stein wurde am 28.02.2014 verlegt.


Peter Balnus ist am 24.10.1904 in Altenessen geboren.  Nach der Hochzeit 1937 wohnte er mit seiner Frau auf der Vogelheimer Straße 50. Er ist in Essen und Münster als Lehrer ausgebildet worden, bekam aber wegen seiner ablehnenden Haltung zum Nationalsozialismus keine Anstellung. Erst 1938 kam er beim Katholischen Kirchensteueramt unter. Am 15. April 1940 wurde er eingezogen. Nach der Grundausbildung ist er zu einer Luftwaffenkompanie nach Belgien versetzt worden. Am 3. November 1942 wurde er verhaftet. Ein Flame hatte ihn und sechs andere Soldaten bei der SS angezeigt, weil sie abwertende Äußerungen über
NS-Regierungsmitglieder gemacht hatten und auch die Angaben über Verluste der Wehrmacht bezweifelt hatten. Sie wurden am 12. Januar 1943 vor einem Feldgericht wegen Wehrkraftzersetzung verurteilt. Peter Balnus wurde zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Nach vielen Gefängnisaufenthalten wurde auf sein Gesuch hin die Strafe am 18. September 1943 ausgesetzt. Er wurde zur „Frontbewährung“ einer Strafkompanie zugeteilt. In dieser Einheit waren nur Soldaten, die aus politischen Gründen verurteilt worden sind. Sie wurden südlich von Libau, Kurland (Baltikum) unbewaffnet zum Bau von Gefechtsstellungen eingesetzt. In dieser Gegend häuften sich Partisanenüberfälle, bei denen Peter Balnus am 13. Februar 1945 ums Leben kam.
Peter Balnus war überzeugter Christ, Mitglied im Kath. Gesellenverein und ein absoluter Gegner des Nationalsozialismus. Er gehörte vor 1933 der Zentrumspartei an. Pate dieses Stolpersteins ist Norbert Köring aus Altenessen–Süd.


Literatur und Quellen:

Wladislaus Przybilla – Lesebuchkreis Altenessen 2000 – „Altenessen unter dem Hakenkreuz“ Seiten 58 – 60.
Ernst Schmidt, „Lichter in der Finsternis“ Band 3, Seiten 168 - 170


Hermann Hammacher,  Großenbruchstraße 30
Der Stein wurde am 28.02.2014 verlegt.


Hermann Hammacher wurde am 29. Januar 1886 in Süchteln am Niederrhein geboren. Die Familie zog später nach Krefeld. Nach dem Schulbesuch machte er eine Ausbildung zum Graveur. Schon in jungen Jahren war er gewerkschaftlich tätig und trat 1905 mit 19 Jahren der SPD bei. Im November 1905 heiratete er. Noch vor dem ersten Weltkrieg zogen sie nach Frankenberg in die Nähe von Chemnitz. Sie bekamen vier Kinder, von denen zwei nur wenige Tage überlebten. Die Familie zog nach Essen, der Grund ist unbekannt Als der 1. Weltkrieg ausbrach, wurde Hermann Hammacher sofort eingezogen. Das sinnlose und blutige Sterben an den Fronten machten ihn zu einem überzeugten Pazifisten. Ein Foto zeigt ihn am Soldatengrab seines in Flandern gefallenen Bruders mit einem schlichten Holzkreuz. Das war kein „Heldentod“ sondern sinnloses Sterben! Das politische Wirken Hammachers in Essen begann sofort nach Ende des Krieges. Er organisierte Prostversammlungen gegen die Absetzung von Arbeiterräten und die Lebensmittelwucherpreise. Seine politische Tätigkeit ist eng verbunden mit dem 1924 gegründeten Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, einem Bündnis zur Verteidigung der Weimarer Republik. Als Chefredakteur der sozialdemokratischen „Essener-Arbeiter-Zeitung“ - der späteren „Volkswacht, verfasste er viele Artikel gegen die Feinde der Republik. 16 Jahre nach seiner Tochter Wilhelmine wurde noch der Sohn Heinz geboren. 1933 wohnten sie in der Großenbruchstraße 30. Die Machtübernahme durch die NSDAP war am 30. Januar 1933. Sechs Wochen später, am 12. März 1933, wurde er in „Schutzhaft“ genommen, aus der er im Mai durch ein Versehen der Behörden wieder frei kam. Er verbarg sich dann in der Stadt, es fanden Hausdurchsuchungen statt. Pfingsten 1933 emigrierte er in die Niederlande. Die Familie wurde aus der Wohnung in der Großenbruchstraße vertrieben. Sie wohnten an verschiedenen Stellen in  Essen. Seine Frau wurde mehrmals  zu Vernehmungen vorgeladen. Sie war schwer herzkrank. Nach einer erneuten Vorladung erlitt sie einen Herzanfall, den sie nicht überlebte. Sie starb im Mai 1938 in den Städtischen Krankenanstalten. Über die politische Arbeit von Hammacher in den Niederlanden ist nur wenig bekannt. Am 10 Mai 1940 marschierte die deutsche Wehrmacht in Holland ein. Hammacher hielt sich in Amsterdam auf. Fünf Tage später, am 14.Mai 1940, verlor er im Alter von 54 Jahren sein Leben. Die genauen Umstände konnten nie geklärt werden. Es ist möglich, dass er Selbstmord begangen hat, um den Nazis  nicht in die Hände zu fallen. Das war leider kein Einzelfall!


Literatur und Quellen:
Ernst Schmidt, „Lichter in der Finsternis“ Band 3, Seiten 172 – 13  Tod in der Emigration – Reichsbannerführer und Volkswacht-Redakteur Hermann Hamacher


Julius Warmann, Rahmstraße 141
Der Stein wurde am 28.02.2014 auf Anregung der BV V verlegt


Julius Warmann ist am 13.6.1913 geboren, bei seinem Tod am 4.7.1932 war er grade 19 Jahre alt.  Auf der Huyssenallee hatten Nationalsozialisten den arbeitslosen Schlosser überfallen und erstochen. Die Essener Polizei hat diesen Mord nie untersucht und den Fall heruntergespielt. Die „Essener Volkszeitung“ vom Katholischen Zentrum sprach in der Ausgabe vom 6. Juli 1932 von „höchst merkwürdigen Vorgängen“ und bezweifelte den Willen der Polizei zur Aufklärung dieses Mordes. Noch deutlicher wurde die Sozialdemokratische „Volkswacht“ am 8. Juli 1932: Kommunistische Kundgebungen werden von der Polizei überwacht, aber „Hitlerbanden“ werden bei ihren ungesetzlichen Handlungen sehr „milde“ behandelt. Dabei wird auf die Ermordung von Julius Warmann hingewiesen. Die Mörderbanden sind nach dieser „Heldentat“ mit Sang und Klang weitermarschiert. Der ganze Vorfall zeigt, dass schon vor der Machtergreifung am 30.Januar 1933 der Rechtsstaat zum Teil nicht mehr vorhanden war.


Literatur und Quellen:
Ernst Schmidt, „Lichter in der Finsternis“ Band 2, Seite 92
„Der Überfall auf der Huyssenallee“ - Ausschnitt


Franz Kraus, Feldmannshof 2
Der Stein wurde am 28.02.2014 verlegt


Franz Kraus ist am 28. Juli 1919 geboren. Er war Arbeiter und wohnte in Altenessen im Feldmannshof 2, einer geschlossenen Wohnsiedlung in der Nähe von Zeche Anna. Aus verschiedenen Unterlagen geht hervor, dass ihn ein Luftwaffengericht wegen Wehrdienstsabotage aus der Wehrmacht ausgeschlossen hat. Konkrete Gründe sind aus den Unterlagen nicht mehr ersichtlich. Im Februar 1941 ist er in das KZ Sachsenhausen eingeliefert worden. Weil er keine Wehrmachtsuniform mehr tragen durfte, wurde seine Mutter von der Gestapo aufgefordert, Zivilkleidung zu schicken. Franz Kraus war erst 23 Jahre alt, als er am 12. Januar 1942 im Konzentrationslager Natzweiler im Elsass sein Leben verlor.

Literatur und Quellen:
Ernst Schmidt, „Lichter in der Finsternis“ Band 3, Seiten 172 – 173
Der Fall des Franz Kraus

Dank an Hans-Jürgen Schreiber und Andreas Koerner, die uns die Literaturstellen genannt haben.
Fotos der Stolperstein-Verlegung sind aus der Sammlung Werner Bussick
07.03. 2018,  Altenessener Geschichtskreis, Werner Bussick und Günter Napierala.


Stolperstein für Lothar Lazarus Leyser, auf der Stankeitstraße 22, vor dem Leibnizgymnasium
Der  Stein wurde am 08.12.2018  verlegt


Lothar Lothar Lazarus Leyser wurde am 30.11.1920 in Essen geboren. Der Vater starb, als er 10 Jahre alt war. Er kam auf die jüdische Volksschule, die Humbold - Oberrealschule und später auf das Realgymnasium in Altenessen. Lothar Lazarus besuchte ab April 1934 die jüdische Gartenbauschule in Ahlem bei Hannover. Die Ausbildung dort war hauptsächlich auf die Auswanderung nach Palästina ausgerichtet. Im April 1938 war er wieder in Essen, floh aber noch im gleichen Monat nach Holland. Seine Mutter folgte ihm im März 1939 (?). Sie wohnten in Amsterdam, Lothar wird Freiwilliger in einem Jüdischen Arbeitsdorf in Wieringermeer. Von dort wollte er mit der Familie seiner Schwester nach Israel auswandern. Im September 1940 heiratet Lothar, im gleichen Jahr  wird die Tochter Gabriele und im Januar 1942 Judith geboren. Das Arbeitsdorf wird 1941 durch die deutsche Besatzungsmacht geschlossen. Sie müssen nach Huizen, einem kleinen Dorf in der Nähe von Hilversum ziehen. Dort wohnen sie in einem Gartenhaus bis Oktober 1942. Auf Befehl der Wehrmacht müssen sie Anfang 1943 das Dorf verlassen und nach Amsterdam ziehen. Dort wohnt die Familie bei Lothars Mutter. Am 20. Juni 1943 werden sie durch die SS verhaftet und in das Sammellager Westerbork in Nord-Ost Holland eingeliefert. Dort werden alle deutschen und österreichischen Juden, die nach Holland geflohen waren, gesammelt und mit der Eisenbahn in Vernichtungslager nach Polen gebracht. Am 9. Juli 1943 werden Lothar, seine Frau und die beiden kleinen Töchter in den Gaskammern von Sobibor  in Süd-Polen an der Grenze zur Ukraine ermordet.  Lothars Mutter wird im November 1943 ebenfalls in Sobibor ermordet.

Von Westerbork werden zwischen 1942 und 1944 insgesamt 107 000 Menschen in die Vernichtungslager deportiert. Nur 5000 von ihnen überlebten. Im August 1942 werden Edith Stein und ihre Schwester Rosa von diesem Lager  nach Auschwitz gebracht und in den Gaskammern getötet. Im August 1944 kam die Familie Frank in das Lager, sie waren in ihrem Versteck in Amsterdam verraten worden. Anne Frank starb im Februar 1945 kurz vor der Befreiung im KZ Bergen – Belsen. In Sobibor sind bis zu 250 000 Juden in den Gaskammern umgebracht worden, davon waren etwa 33 000 aus den Niederlanden.

Zur Chronik: Im August 2007 fand Ruud Hehenkamp auf dem Dachboden seines Hauses in Huizen einen Koffer. Darin befand sich ein Gartenmesser, auf dem „Leyser“ eingeschnitzt war. Das war für ihn der Anhaltspunkt für Nachforschungen.  Den Koffer mit dem gesamten Inhalt und anderen Informationen gab er dann an die alte Synagoge in Essen weiter. Daraus ergab sich die Möglichkeit, vieles über Lothar Leyser und seine Familie zu erfahren.
Die Gruppe „Stolperstein“ im Projektkurs Geschichte am Leibniz – Gymnasium hat nach diesen Unterlagen die Biografie erarbeitet und das Geld für den Stolperstein gesammelt. Damit soll an einen ehemaligen Leibnizschüler erinnert werden, der umgebracht wurde, weil er Jude war.

Dank an Frau Hartings vom Ernst Schmidt Archiv  für Informationen zu diesem Stolperstein.


18.11.2019 Günter Napierala